Christus ist für uns gestorben, heißt es. Das klingt nach Austausch: Er an unserer Stelle, wir davongekommen. Ein Handel. Aber wenn man genau liest, steht etwas anderes da. Somit sind alle gestorben. Es geht nicht um einen, der für andere starb, sondern um eine Identifikation, in der wir mit Ihm gestorben sind.
Das ist nicht dasselbe. Der Unterschied ist nicht theologische Haarspalterei – er ist die Differenz zwischen zwei völlig verschiedenen Welten.
Im ersten Fall (Austausch) bleibt das "Ich" bestehen. Es wird freigesprochen, begnadigt, erleichtert. Ich lebe weiter, nur ohne Schuldenlast. Im zweiten Fall (Identifikation) stirbt das Ich selbst. Nicht mein Körper, nicht meine biologische Existenz – sondern die Instanz, die sagt: Das bin ich, die glaubt, eigenständig zu handeln, die meint, ein Projekt für sich selbst zu sein.
Der Galaterbrief formuliert es hart und klar: Nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir. Das ist nicht metaphorisch gemeint. Es ist eine Umschreibung dessen, was in der Identifikation geschieht. Du bist mit Ihm in den Tod gegangen – und nicht allein in den Tod, sondern auch in die Auferstehung. Das bedeutet: eine neue Ordnung deines Lebens wird möglich, weil deine alte Ordnung (das isolierte Selbst) aufgelöst ist.
Die Konsequenz ist nicht Verlust, sondern Befreiung. Denn das isolierte Selbst ist ja nicht frei – es ist ein Gefängnis. Es ist der Ort, an dem wir Angst haben, schuldig bleiben, uns selbst erfüllen müssen, uns selbst beweisen müssen. Das ist das Leben einer Schöpfung, die sich von ihrer Quelle (ihrem Schöpfer) getrennt hat.
Wenn du mit Christus stirbst und auferstehst, geschieht etwas Radikales: Du wirst befreit von dem Projekt, dein Leben selbst zu sein. Du darfst nun unter einer anderen Herrschaft stehen, nicht der Herrschaft des Egos, sondern der Herrschaft desjenigen, der dich liebt und sich selbst für dich hingegeben hat. Das ist nicht Unterwerfung – das ist Heimkehr.
Dass wir das noch nicht vollständig gelebt haben, ist eine andere Frage. Aber die Tatsache ist da. Das Urteil ist gesprochen. Die Identifikation ist real. Der Grund ist gelegt.

